Ist gute Gestaltung mehr als nur eine Frage des Geschmacks? Was macht gute Gestaltung bei Grafik und Illustration aus?

Es erscheint unmöglich dem subjektiven „Auge des Betrachters“ objektive Kriterien zur Qualität einer Gestaltung entgegenzuhalten. Gerade daher ist es so verlockend, Grafik und Illustration als willkürliche Kunst zu betrachten. Der weit verbreitete Hang zu Modeerscheinungen scheint im allgemeinen zu bestätigen, dass grafische Arbeiten austauschbar seien. Doch gerade hieraus ergibt sich der Anspruch, durch eine eigene Handschrift aus der Masse herauszuragen.

Tatsächlich ist Gestaltung zur Kommunikation ein Kulturgut wie u.a. Sprache und damit auch dem intersubjektiven Konsens verpfichtet. Gute Gestaltung vermittelt schlichte wie komplexe Informationen die verstanden werden sollen. Sie ist als Ausdrucksform damit zum einen Regeln und Traditionen verpflichtet, zum anderen entwickelt sie sich fort, kombiniert oder bindet neue Einflüsse mit ein. Jedes Thema verlangt bei der Umsetzung nach einer eigenen Darstellung für die ich mit den beiden Feldern Grafik und Illustration ein weites Spektrum abdecke.

Auf der Grundlage einer klassischen Ausbildung in Malerei und Zeichnung entstehen freie oder technische Illustrationen; mit dem Gespühr für Leere und Verdichtung grafische Arbeiten wie der Satz von Layouts und Logodesigns. Zunächst kann hierbei jede der Techniken für sich erscheinen. Je nach Aufgabe können sie sich aber auch gegenseitig ergänzen. Linien, Flächen, Symmetrie und Proportion treten dann in Symbiose mit dem lebendigen Duktus von Pinselstrichen und Struktur.

Die Wahl der Werkzeuge richtet sich nach der Aufgabenstellung. Die Kunst eine gute Gestaltung zu schaffen beginnt nicht bei einem leeren Blatt Papier. Den Ausgangspunkt der Entwicklung bildet die Themenstellung. Die Aufgabe ist zunächst das Erfassen des Themas um eine Vorstellung dessen was entstehen soll zu entwickeln. Erst mit guter Kenntnis des Themas und seines Umfelds beginnt der Findungsprozess. Denn schliesslich soll sowohl grafische wie illustratorische Arbeit etwas erzählen können.

Sowohl bei technischen wie szenischen Illustrationen achte ich auf die Ausarbeitung mit Liebe zum Detail. Händisch wird bei einer Zeichnung Linie um Linie, Strich für Strich gefunden. Die Illustration entsteht, wenn nicht aus Planvorgaben, aus einer noch abstrakten Vorstellung, die Zug um Zug konkret ausgearbeitet wird. Einflüsse aus der klassischen Malerei und Zeichnung setze ich auch mit digitalen Werkzeugen um.

Gute grafische Gestaltung bildet hierzu einen Contrapunkt. Hier werden Themen inhaltlich inszeniert, geordnet, entzerrt oder fokussiert. Ein gut gestaltetes Logo zeichnet sich nicht durch Gefälligkeit aus, sondern dadurch ein Thema aussagekräftig wie ein Buch und präzise wie ein Punkt widerzuspiegeln. Die Kunst besteht hier darin, den Kern eines Themas zu erfassen und diesen in einer möglichst reduzierten Form verständlich wiederzugeben. Ein solches Symbol zu finden ist das Ergebnis einer langen Entwicklung, von Abstraktion und Konkretisierung.

Alle so entwickelten Elemente in strukturierte Bezüge zueinander zu setzen, um beispiesweise gut gestaltete Layouts zu realisieren, erfolgt aufgrund der Kenntnis von Wahrnehmung, einem Gespuehr für Harmonie und dem Sinn für Funktionalität. Eine gute Gestaltung trägt Informationen, gibt ihnen einen Rahmen und versteht es essenzielle Inhalte hervorzuheben.

Gute Gestaltung steht also auf den Grundpfeilern Tradition, handwerklichem Können, Verständnis und Kreativität. Auf diesem Boden entwickle ich grafische Gestaltungen und Illustrationen. Jedes Thema bildet eine neue anspruchsvolle Herausforderung, setzt einen Prozess in Gang. Jedes Ergebnis ist eine individuelle Anfertigung die höchsten Ansprüchen gewachsen ist.

 

 

Das Sein des Nichts

 

Dreißig Speichen treffen die Nabe,

 

die Leere dazwischen macht das Rad.

 

Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen,

 

die Leere darinnen macht das Gefäß.

 

Fenster und Türen bricht man in Mauern,

 

die Leere damitten macht die Behausung.

 

Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes,

 

das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.

 

Laotse